Birding macht Spaß und ist lehrreich

Hilfreiche Expertentipps des LBV rund um Vogelbeobachtung

Mittelspecht | © Rosl Rössner © Rosl Rössner
Vogelbeobachtung wird immer populärer- und niedrigschwelliger: Spechte sind relativ häufige Besucher, auch in Stadtnähe

Wo kann man Vögel beobachten?

Vogelbeobachtung als Freizeitbeschäftigung ist zum Glück an keinen Ort gebunden. Ob auf der Gartenterrasse, in heimatlichen Wäldern oder auf der fernen Südseeinsel, Vögel präsentieren sich Ihnen überall. Vor allem Städte konnten in letzter Zeit viel "Vogeleinwanderung" verzeichnen, da dort keine Insektizide eingesetzt werden. In Berlin etwa gibt es erstaunlich viele Arten von Singvögeln, mehr als an vielen anderen Orten.

In Bayern sind zum Beispiel die Feuchtwiesen des Murnauer Mooses ein heißer Tipp, dort sind seltene Arten wie der Wachtelkönig oder den Karmingimpel zu erspähen.
Landwirtschaftliche Monokulturen dagegen sind eher artenarm. Je nach Lebensraum sieht der oder die aufmerksame Beobachterin also selbstverständlich immer unterschiedliche Vögel, denn die unterscheiden sich so wie ihre Habitate.

Wann sollte man Vögel beobachten?

Am aktivsten sind Singvögel morgens und abends. Früh aufstehen brauchen Sie trotzdem nicht: Im Sommer singen Vögel bis ca. 10 Uhr und zwei, drei Stunden vor der Abenddämmerung sind Vögel ebenso gut wie am Morgen zu sehen. Eigene Flugstunden haben dämmerungs- und nachtaktive Eulen sowie Greifvögel, die vorzugsweise mittags und nachmittags unterwegs sind.
Doch auch im Rhythmus der Jahreszeiten spielt die Vogelmusik: Während ab Ende Februar und Anfang März in den frühen Morgenstunden ein lauter Morgenchor zu vernehmen ist, dünnt das Vogelkonzert schon im Juni merklich aus und im Hochsommer ist von vielen Arten kein Ton mehr zu hören. Zu sehen sind die Vögel dann aber auch kaum - denn sie mausern sich. In dieser Zeit können sie nicht besonders gut fliegen und verstecken sich deshalb lieber.

Was brauche ich?

Zwei Vogelbeobachter | © Heidrun Albrecht © Heidrun Albrecht
Ein Fernglas ist ein Muss

1. Fernglas

Das Fernglas sollte

  • mindestens eine 8-fache Vergrößerung und
  • einen Objektivdurchmesser von 40 mm haben.
  • Die Lichtstärke eines Glases sollte 3,5 (Objektivdurchmesser/ Vergrößerung) nicht unterschreiten. Dann ist auch bei bedecktem Himmel ein Beobachten der Vögel möglich.

Auch eine reflektionsmindernde Beschichtung ist günstig. Hochwertige Ferngläser erhalten sie etwa bei Swarovski Optik. Für circa 150 Euro sind dort gute Mittelmaß-Ferngläser zu ergattern.

2. Kleidung:

Ziehen Sie sich wetterangepasst an - zu empfehlen ist der Zwiebel- Look, bei dem Sie gut auf sich plötzlich verändernde Temperaturen  z.B von frühmorgendlicher Kühle bis zur Mittagshitze anpassen können. Camouflage-Kleidung benötigen Sie nicht denn Vögel reagieren nicht auf Farben, sondern auf Bewegung. Wenn Sie in hohe Wiesen oder Wälder gehen, bieten sich lange Hosen, z.B Wanderhosen an, um Zecken zu vermeiden!

3. Bestimmungsbücher- und Apps

Gute Bestimmungsbücher zeichnen sich durch eine genaue Beschreibung der Arten und detaillierte Zeichnungen aus. Auch Gefiederunterschiede von Jung- und Altvögeln, bzw. zwischen den Geschlechtern sollten darin enthalten sein. Größe, Gestalt und besondere Gefiedermerkmale werden zur Bestimmung der Arten genutzt.

Ein beliebtes Referenzwerk ist der Vogelführer von Lars Svensson, der alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens beschreibt. Ebenso gut empfehlen wir den Kosmos Vogelführer. Nützlich ist eine Vogelstimmen-App wie etwa Merlin Bird ID oder der App des Kosmos Vogelführer. Manche Arten hört man, bevor man sie sehen kann, manchmal sind sie sogar nur zu hören. Oder aber man bekommt sie überhaupt nur schwer zu Gesicht. Da ist es hilfreich, wenn man die Vogelstimmen erkennen lernt und in der App noch einmal anhören kann. Wer es lieber analog mag, kann sich natürlich auch ein Buch mit den Vogelstimmen besorgen.

Beobachtungen dokumentieren

Handy- oder doch Notizbuch und Stift?

Drei farbenprächtige Bienenfresser auf einem Ast | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Bienenfresser-Dreigestirn: eine seltene, sehr farbenfrohe Beobachtung, auf die man sehr stolz sein kann.

Wenn man eine Vogelart beobachten konnte, sollte man das Ganze auch detailliert festhalten. Auch der Standort, die Wetterlage und das Biotop können dokumentiert werden. Und natürlich der Name der beobachteten Vogelart und welches Verhalten er gezeigt hat.

Dafür braucht man keine App: die Kamera oder Memofunktion im Smartphone reichen völlig, um Bilder und gesprochene Notizen aufzunehmen oder den Gesang des Vogels einzufangen. Wer gerne fotografiert steckt seine Kamera ein, um die besten Begegnungen für die Ewigkeit festzuhalten. Aber auch mit Stift und Pinsel können Beobachtungen dokumentiert werden - ob als Zeichnung oder als Notiz. Die Idee, Naturbeobachtungen in einem Notizbuch einzufangen, nennt man Nature Journaling oder auch Naturtagebuch. Dabei sind dem und der aufmerksamen Naturfreundin keine Grenzen gesetzt: alles ist erlaubt, von stichpunktartigen Notizen, Kritzeleien über detaillierte Aquarell-Zeichnungen bis hin zu Gedichten und kleinen Texten über das Erlebte.

Wer Teil einer größeren Citizen- Science- Netzwerks sein möchte, kann seine gesichteten Arten auch im Internet melden auf entsprechenden Apps und Portalen, wie z.B

  • naturaList
  • ibird
  • ornitho
  • Beim Club 300 gibt es sogar eine Rangliste wer die meisten Arten zu Gesicht bekommen hat!

Übrigens: Je länger Sie beobachten, desto mehr entwickeln Sie ein Gespür für die Tiere. Sie lernen mit der Zeit wo die Vögel sich gerne aufhalten, auf welche Details  Sie achten müssen, welche Unterschiede zwischen den Arten, Jung- und Altvögeln oder Geschlechtern vorhanden sind. So lernen Sie fast spielerisch unsere Tier- und Pflanzenwelt kennen!

Auch was für Kinder!

Eine Vogelführung am Emmeringer Hölz |© LBV Fürstenfeldbruck © LBV Fürstenfeldbruck
Lehrreiches Hobby

Besonders Kinder sind begeisterte Beobachter. Nehmen Sie doch mal Ihre Familie mit auf eine Vogel-Exkursion oder auf eine Vogel-Rallye. Sie werden staunen, was man da so alles beobachten kann. Viele LBV-Gruppen bieten solche Touren an, gerade auch im Zusammenhang mit der "Stunde der Gartenvögel". Auch spezielle Kinder-Aktionen sind geplant.
Hierfür eignet sich z.B die Beobachtungshilfe " Mit Kindern Vögel erforschen" um die Geduld der Kleinen beim Warten auf den coolsten Vogel etwas zu schulen.

Kinder sind besonders stolz auf ihr eigenes Fernglas: Für die kleinen Naturforscher und Naturforscherinnen eignen sich kompakte und leichte Einsteigermodelle mit einer 8-fachen Vergrößerung und gummierter Oberfläche (erhältlich im LBV-Naturshop).

Newsletter

Der LBV - Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V.  ist mit Freistellungsbescheid des Zentral-Finanzamtes Nürnberg, Steuer-Nr. 241/109/70060, als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt und gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Mehr zur Transparenz